„Wir sollten von inspirierenden Forscherinnen berichten und Vorbilder schaffen“

Interview mit Marlene Heckl über ihr Video zum Deutschen Zukunftspreis

Marlene Heckl wurde 2018 mit ihrem Video „Ein Herz aus Spinat“ bei Fast Forward Science in der Kategorie VISION ausgezeichnet. Sie wurde vom Deutschen Zukunftspreis, Partner der Kategorie VISION, ausgewählt, um zu den Themen des Deutschen Zukunftspreises ein Video zu produzieren. Ihr Video über die Forschung von Prof. Dr. Helga Rübsamen-Schaeff zum Cytomegalievirus (CMV) hat Marlene jetzt veröffentlicht. Wir haben Marlene gefragt, wieso sie genau dieses Thema so fasziniert hat, wie es bei ihr hinter den Kulissen läuft und woher sie ihre Inspirationen nimmt.

 

 

Warum hast du dich gerade für die Forschung von Prof. Dr. Helga Rübsamen-Schaeff, die Preisträgerin des Deutschen Zukunftspreises 2018, entschieden?

Ich fand, Frau Prof. Rübsamen-Schaeff ist eine beeindruckende und inspirierende Frau. Ihr Forschungsthema ist ein sehr wichtiges und spannendes Gebiet,  das bislang noch nicht so viel Beachtung in den Medien gefunden hat. Die meisten Leute haben wahrscheinlich noch nie etwas von dem Cytomegalievirus (CMV) gehört. Dabei ist über die Hälfte der Bevölkerung mit diesem Herpesvirus infiziert. Normalerweise merken wir davon nichts, weil das Virus sich in einer Art Ruhezustand in unserem Körper befindet. Aber, wenn die Immunabwehr geschwächt ist oder auch bei Neugeborenen oder bei Menschen höheren Lebensalters kann das Virus aus diesem Ruheschlaf erwachen und dann ziemlich schwere Infektionen auslösen.

Bisher gab es nur sehr wenige Medikamente, die man hier einsetzen kann und leider haben die alle schwere Nebenwirkungen. Und nun hat ein deutsches Forscherteam es geschafft zum ersten Mal einen Wirkstoff zu entwickeln, der nach einem ganz anderen Wirkmechanismus funktioniert. Durch diesen neuen Wirkmechanismus hat das Medikament besonders wenige Nebenwirkungen und kann sogar präventiv, also vorsorglich, bei Risikogruppen eingesetzt werden. Beispielsweise bei einer Knochenmarkstransplantation, bei der die Immunabwehr des Patienten besonders geschwächt ist.

Für mich war das Besondere, dass es ein ganz neues Medikament ist, das es vorher noch nicht gab und dass es eine deutsche Forscherin war, die es maßgeblich entwickelt hat. Der Weg, den Prof. Rübsamen-Schaeff bis zum fertigen Wirkstoff auf sich nehmen musste, war dabei keineswegs leicht.  Sie musste viel dafür kämpfen und einige Hürden nehmen, um die Entwicklung des neuen Medikaments vorantreiben zu können. Schlussendlich hat sie sogar extra ein eigenes Unternehmen gegründet, um den Wirkstoff  zur Marktreife entwickeln zu können. Das fand ich einfach einen sehr mutigen und beeindruckenden Schritt. Nicht viele trauen sich das zu.

Wie viel Arbeit und Ausdauer in der Entwicklung eines Medikaments steckt, wissen die meisten Leute gar nicht und darüber ein Video zu machen und das zu zeigen, fand ich besonders spannend.

 

Das Thema ist ziemlich komplex. Wie bist du an die Produktion des Videos herangegangen?

Also erstmal habe ich natürlich intensiv zu dem Thema recherchiert. Ein bisschen wusste ich darüber schon aus dem Studium, aber für das Video habe ich mich in neueste Studienergebnisse eingelesen und versucht den aktuellen Stand der Wissenschaft abzudecken. Also, was wissen wir überhaupt über das Cytomegalievirus und warum sind die Forschung und das Wissen darüber wichtig für uns und unsere Zukunft.

Als nächstes habe ich ein Interview mit Frau Professor Rübsamen-Schaeff geführt und sie selbst gefragt, wie sie denn zu der Forschung an diesem Medikament gekommen ist, wie der Entwicklungsprozess war, welche Schwierigkeiten es gab und wie sie die Probleme dabei gelöst hat.

Anschließend habe ich ein Konzept für das Video geschrieben. Ich habe mir überlegt, was ich an dem Thema besonders interessant finde und was wichtig ist, um den eher komplexen Wirkmechanismus des Medikaments zu verstehen. Wie kann man das so einfach darstellen, dass es jeder versteht, aber nicht so vereinfacht, dass es falsch wird?

Ich habe das Video dann zweigeteilt: In einen Moderationsteil, in dem ich direkt in die Kamera spreche und immer den nächsten Abschnitt des Videos einleite und in einen Animationsteil, in dem ich das Fachliche erkläre. Dafür habe ich selbst Zeichnungen am Computer angefertigt, diese animiert und anschließend einen Text darüber eingesprochen. Manches kann man sich einfach besser vorstellen, wenn man ein Bild vor Augen hat, besonders wenn es so komplex ist.

Alles bis zum fertigen Video zu bearbeiten, also mit Recherche, Texten, Animieren, Schneiden usw. hat etwa drei Monate gedauert. Auch deshalb, weil ich nebenbei noch gearbeitet habe. Aber mir hat es sehr viel Spaß gemacht und ich habe auch eine Menge Neues dabei gelernt.

 

Hast du seit deinem ersten Video eine andere Herangehensweise? Hast du Tipps für Neueinsteiger?

Mein erstes Video „Ein Herz aus Spinat“, was ich letztes Jahr bei Fast Forward Science eingereicht habe, war von der Art, wie es produziert wurde, noch recht einfach. Dafür habe ich lediglich eine Präsentation gemacht, sie mit der Bildschirmaufnahme als Video aufgenommen und anschließend die Sprechstimme mittels Voice-Over darübergelegt.

Seitdem habe ich mich in meinen Videos immer weiter verbessert: Von meinem Preisgeld, das ich im Webvideo-Wettbewerb gewonnen habe, habe ich mir als erstes eine Ringlampe für die bessere Ausleuchtung gekauft, weil ich ausprobieren wollte wie es ist, selbst für ein Video vor der Kamera zu stehen. Ich habe immer mehr dazugelernt und versuche meine Videos nun jedes Mal ein bisschen besser zu machen und neue Dinge dabei auszuprobieren.

Als Tipp für alle, die sich selbst mal an der Video-Produktion versuchen wollen: Lasst euch nicht von eurem Perfektionismus bremsen. Das erste Video wird nie perfekt. Wenn ihr Szenen irgendwann zum zwanzigsten Mal dreht und sie immer noch nicht genau so sind, wie ihr sie haben wolltet – nehmt es einfach hin. Nehmt die Erfahrung mit und macht es einfach beim nächsten Mal anders. Es hilft auch sehr, sich mit anderen YouTubern zu vernetzen und sich auszutauschen, welche Technik sie benutzen und wie sie an ein Video herangehen oder Ideen umsetzen. Habt Spaß daran und seid immer neugierig. Das ist sowieso das, was einen antreibt.

Und ganz wichtig: Wählt ein Thema, das euch selbst interessiert und für das ihr brennt. Wenn man mit Leidenschaft bei der Sache ist, wirkt das viel authentischer und kommt beim Zuschauer auch besser an.

 

Wie schaffst du es Studium und Videos unter einen Hut zu bringen oder ergänzen sich die beiden Felder sogar?

Gutes Zeitmanagement. Ich arbeite ganz normal Vollzeit im Krankenhaus. An den Wochenenden recherchiere ich und drehe bzw. bearbeite meine Videos. So dauert es halt auch mal ein paar Wochen, bis ein Video fertig ist. Aber das ist okay. Für mich ist das ein Hobby und es macht mir sehr viel Spaß. Ich bin sehr gerne kreativ und das ist eine perfekte Ergänzung zum Medizinstudium.

 

Du hast sehr die Rolle der Preisträgerin als Frau in der Wissenschaft hervorgehoben. Findest du, dass Frauen einen schwierigen Stand in der Wissenschaft haben?

Ja, ich denke schon, dass es Frauen in der Wissenschaft eher schwer haben. Besonders Familie und Forschung lassen sich oftmals nur sehr schwer vereinen. Im Falle von Professor Rübsamen-Schaeff war das sogar eine besondere Herausforderung, weil sie alleinerziehend war.

Der Frauenanteil in der Wissenschaft wird nach oben auf der Karriereleiter immer kleiner: Vom Studium, über den PhD bis zum Post-Doc und schließlich Professor nimmt er immer weiter ab. Die Bedingungen, so wie sie derzeit sind, führen dazu, dass Frauen sich häufig zwischen Karriere und Familie entscheiden müssen. Das liegt zum Beispiel daran, dass die Stellen eher unflexibel gestaltet sind. Durch befristete Verträge stehen in kurzen Zeitabständen nicht nur Jobwechsel, sondern oft auch der Wechsel des Wohnortes an, was mit Kindern besonders schwierig ist.

Deswegen ist es auch wichtig über solche inspirierenden Forscherinnen wie Prof. Rübsamen-Schaeff zu berichten, die es trotz aller Widrigkeiten geschafft haben. Sie können Vorbild sein und jungen Wissenschaftlerinnen Mut machen ihre akademischen Ziele weiter zu verfolgen, selbst wenn die Umstände manchmal schwierig sind.

Woher nimmst du deine Inspiration/Ideen?

Ich komme eigentlich aus der journalistischen Richtung und betreibe einen Blog. Bei jedem Thema überlege ich mir, ob es sich nicht auch für ein Video eignen würde. Ich wähle eigentlich immer Themen, die mich selbst besonders interessieren. Themen, von denen ich denke, dass sie auch für andere Menschen faszinierend sind oder die weiter publik gemacht werden sollten. Meist komme ich darauf, weil ich schon mal einen Artikel darüber geschrieben habe oder ich in der Recherche zu einem anderen Thema am Rande darauf gestoßen bin, und das dann richtig spannend fand.

Grundsätzlich möchte ich gerne zeigen, wie schwierig, aber gleichzeitig auch wie spannend medizinische Forschung sein kann und wie bedeutsam sie für uns Menschen ist.

 

Was können wir in der Zukunft von dir erwarten? Was würdest du gern mal umsetzen?

Gerade beende ich mein Praktisches Jahr und bin voraussichtlich Ende dieses Jahres mit meinem Studium fertig. Da ich noch nicht genau weiß, welchen Facharzt ich danach machen möchte, werde ich die nächsten Monate nutzen, mir darüber Gedanken zu machen, wohin mein Weg gehen soll.

Außerdem habe ich mir auch gerade eine bessere Kamera gekauft. Ich habe richtig Lust, noch mehr und professionellere Videos zu machen, neues auszuprobieren und mir dafür mal richtig Zeit zu nehmen.

Egal wie es weitergeht, ich möchte auch auf jeden Fall immer gerne nebenbei Wissenschaftsvideos machen.

 

 

 

KURZ VORGESTELLT

Die Gewinner beim Fast Forward Science 2016

Der YouTuber Techtastisch hat mit DIAMANTEN VERBRENNEN! Für die Wissenschaft! beim Community Award den 1. Platz gemacht. In dieser Kategorie hat die YouTube Gemeinschaft durch ihre Likes und Kommentare selbst über ihre Lieblingsvideos abgestimmt.

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Name: Marcel H.

Wohnort: Pforzheim

Beruf: Selbständig

FFS: Bei welchen Youtube-Kanälen schaust du besonders oft rein?

Ich schaue sehr gerne Wissensformate, sowohl englische als auch deutsche. Zu den meiner Meinung nach besten deutschen Wissenskanälen, bzw. Kanälen mit „smartem Content“, gehören der Drogenaufklärungskanal Openmind3000 und der kritische Kanal von Rayk Anders.

Wer sind deine wissenschaftlichen Helden?

Ich halte sehr viel von Harald Lesch. Er schafft es wissenschaftliche Themen spannend und verständlich zu erklären. Dass viele auch dieses Bild von Techtastisch haben, bedeutet mir unglaublich viel. Aber generell ist jeder für mich ein wissenschaftlicher Held, der etwas aus dem nichts geschaffen und/oder selbst entdeckt hat.

Was ist die größte Herausforderung bei der Produktion eines Wissenschaftsvideos?

Das Budget: In meinem Kopf schwirren viele XXL Projekte, die ich aus Kostengründen leider nicht umsetzen kann. Ohne Sponsor muss dieses Geld logischer Weise aus der eigenen Tasche fließen. Zum Glück unterstützt mich aber meine Community über die Crowdfunding-Seite „Patreon“ ziemlich stark.

Zeit war für mich früher auch ein Hauptproblem, aber für seine Leidenschaft opfert man gerne ca. 70% seiner Freizeit, die man im Wachzustand verbringt. Seitdem ich selbständig bin, fehlt mir die Zeit für mehr und aufwendigere Produktionen nicht mehr. Dafür wird aber wiederum das Budget stark eingebremst.

Was heißt Wissenschaftskommunikation für dich? Ist es überhaupt ein Thema für dich?

Was ich mir gerade darunter vorstelle, wird wohl ‚das Bewusstsein der Gesellschaft für aktuelle Fortschritte‘ sein. Ich finde es gut, zu wissen, was möglich ist. Auch das sollen meine Videos (mehr oder weniger) mit einem ‚Aha-Effekt‘ meinen Zuschauern zeigen (Es gibt Metalle, die ’sicher‘ flüssig auf der Hand verweilen können / Es gibt echte Laser, die Sachen entzünden können / Es gibt Metall von denen man abbeißen kann).

Aber ‚Wissenschaftsnews‘ erfüllen diesen Zweck deutlich besser. Zum Glück liefert YouTube auch solche Formate wie z.B. die Kanäle Clixoom oder Doktor Whatson

Welche Themen interessieren dich  gerade besonders?

Saubere Energien. Sobald regenerative Energien stärker vertreten sind oder (Achtung: Wunschdenken) Kohle und Atomkraftwerke ablösen, wären einige der größtem Umweltprobleme gelöst.

Die Entwicklung von Elektroautos! Städte wären eine wesentlich angenehmere Umgebung, wenn die erhöhte CO2-Emmision verlagert, bzw. mit regenerativen Energien ‚ausgeschaltet‘ würde.

Dein Traumprojekt?

Techtastisch ist mein Traumprojekt. Ich lerne stetig etwas Neues und befasse mich täglich mit Themen und Projekten, die mich erfüllen (Traumjob).

Auf Fantreffen sehe ich, welche Leute ich erreiche. Der junge Teil ist mit 9-17 Jahren schon stark an diesen Themen interessiert, was mir ein gutes Gefühl für unsere Zukunft gibt. Ich habe einen Jungen getroffen, der 11 Jahre alt ist und schon in der 8. Klasse Bestnoten schreibt. Mit dem älteren Teil lerne ich talentierte Menschen kennen, die meine Interessen teilen. Das ist einer der Gründe warum ich im Vergleich zu anderen YouTubern überdurchschnittlich communitynah bin. Ich verstehe mich gut mit meinen Zuschauern.

KURZ VORGESTELLT

Die Gewinner beim Fast Forward Science 2016

In Trust me I’m a Scientist hält Mai Thi Nguyen-Kim vom YouTube-Kanal The Secret Life of Scientists ein leidenschaftliches Plädoyer für mehr Wissenschaftskommunikation. Dafür wurde sie mit dem 1. Platz in der Kategorie Scitainment ausgezeichnet.  
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Name: Mai Thi Nguyen-Kim

Wohnort: Mannheim

Beruf: Wissenschaftskommunikatorin & Chemie-Doktorandin

FFS: Bei welchen Youtube-Kanälen schaust du besonders oft rein?

Oh Gott, ich schau so viel YouTube, da wird die Liste lang… Müsste ich einen  Lieblings-Science-Kanal nennen, dann wäre das wahrscheinlich Doktor Whatson, wenn man auch mal bisschen philosophisch abdrehen will oder auf abgefahrene Gedankenexperimente steht, ein Kanal mit Wooaaahhh!-Effekt.

Auf YouTube schau ich am meisten Unterhaltungsformate, komischerweise sind viele meiner Lieblings-YouTuber Asiaten (Anna Akana, Community Channel, Julien Bam, Ryan Higa), ich schwöre, das ist reiner Zufall!!

Und ich schau auch gerne sämtliche Late-Night-Shows, allen voran Last Week Tonight mit John Oliver (mein absolutes Vorbild!).

Wer sind deine wissenschaftlichen Helden?

Ada Lovelace, Emmy Noether & Marie Curie!

Was ist die größte Herausforderung bei der Produktion eines Wissenschaftsvideos?

Ich finde, Vidoes machen Wissenschaftskommunikation leichter. Man kann die Leute gefühlt direkt durch die Linse ansprechen und sie so viel leichter erreichen als zum Beispiel durch einen Text. Und: Eine gute Visualisierung oder ein cooles Experiment sagen mehr als 1000 Worte!

Was heißt Wissenschaftskommunikation für dich? Ist es überhaupt ein Thema für dich?

Wissenschaftskommunikation ist ein Herzensthema für mich, mit dem ich mich seit dem Beginn meiner Doktorarbeit intensiv auseinandersetze. Ganz allgemein ist gute Kommunikation einer der wichtigsten Bausteine für erfolgreiche Zusammenarbeit.

Die Herausforderungen von Wissenschaftskommunikation fangen im Labor an, wenn man z.B. in interdisziplinären Teams arbeiten muss, oder auch, wenn man z.B. weniger erfahrene Studenten betreut.

Es geht weiter, wenn man eine fantastische Idee oder Entdeckung zu einem Produkt entwickeln möchte. Dann wird es wieder auf gute Kommunikation hinauslaufen, um Investoren und sonstige Unterstützer zu überzeugen.

Und auch der Dialog zwischen Wissenschaftlern und der allgemeinen Bevölkerung gewinnt in Zeiten von Klimawandelleugnern, Impfgegnern und Chemtrailgläubigen immer mehr an Bedeutung. Bei Themen wie Klimawandel ist auch der Dialog zwischen Wissenschaftlern und Politikern unglaublich relevant.

Die allgemeine Herausforderung bei Wissenschaftskommunikation ist immer, die Balance zwischen wissenschaftlicher Vollständigkeit und Verständlichkeit zu finden. Man muss einsehen, dass man nie alle Seiten auf einmal bedienen kann. Man muss sich stattdessen besonders bewusst sein, wen genau man ansprechen und erreichen möchte. Und dazu muss man erstmal bereit sein, seine Expertenblase zu verlassen.

Welche Themen interessieren dich  gerade besonders?

Am meisten Leidenschaft habe ich für wissenschaftliche Themen, die gesellschaftlich relevant sind: Klimawandel, Impfen, alternative Medizin, Tierversuche, Drei-Eltern-Babys, Autonomes Fahren – das sind alles Themen, die eine umfassende Aufklärung fordern und damit auch die Zeit und die Bereitschaft der Wissenschaftler, selbst mit den Menschen in Dialog zu treten.

Dein Traumprojekt?

Eine Art Science-Late-Night-Show mit Live-Publikum! Ich finde sowieso, dass Politik und Wissenschaft in Sachen Komplexität gut vergleichbar sind. Wenn es Satiriker schaffen, etwas so Komplexes wie Politik salonfähig zu machen, dann muss das auch für Wissenschaft klappen. John Oliver, den ich oben als mein Vorbild erwähnte, schafft es auch immer wieder über wissenschaftliche Themen unterhaltsam aufzuklären; ich finde, es sollte ganze Shows geben, die sich darum drehen!

KURZ VORGESTELLT

Die Gewinner beim Fast Forward Science 2016

Tobias Djuren hat mit Kein Plastik Meer! den 1. Platz beim DFG-Spezialpreis MeerWissen gemacht. Mit diesem Spezialpreis zeichnet die Deutsche Forschungsgemeinschaft Videos von Jugendlichen zu Meeren, Ozeanen und ihrer Erforschung aus.

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Name: Tobias Djuren

Wohnort: Berlin

Beruf: seit ein paar Wochen Student der Medieninformatik

FFS: Bei welchen YouTube-Kanälen schaust du besonders oft rein?  

Ich nutze YouTube, um einige Tipps und Tricks über die Animation von Filmeffekten und ähnliches zu lernen. Einige der YouTube-Kanäle sind Blender Guru, Video Copilot oder der von Gleb Alexandrov. Andere Youtuber wie „LeFloid“ finde ich aber auch unterhaltsam.

Wer sind deine wissenschaftlichen Helden?

Eigentlich all jene, die für das Gemeinwohl forschen. Erfreulicherweise sind dies recht viele. Für mich persönlich und ganz spontan fällt mir Turing ein, aber der ist bei weitem nicht der Einzige.

Was ist die größte Herausforderung bei der Produktion eines Wissenschaftsvideos?

Reduktion. Es ist leider nicht möglich alle Ideen umzusetzen und so finde ich die Wahl der gezeigten Szenen und Unterthemen wirklich schwierig. Ursprünglich sollte mein Film noch mehr zeigen als er es jetzt tut, jedoch investiere ich in die einzelnen Szenen sehr viel Zeit. Zudem sollte ein Film auch nicht überfrachtet sein.

Was heißt Wissenschaftskommunikation für dich? Ist es überhaupt ein Thema für dich?

Für mich ist Wissenschaftskommunikation die Übermittlung fortschrittlicher Ideen. Insbesondere wenn dadurch Menschen erreicht werden, die vorher wenig mit einem solchen Thema zu tun hatten und nun ebenfalls über dieses reden können. Auch ich tue dies durch mein Video. Umso besser ist es, wenn sich nun der ein oder andere über den Plastikmüll der Meere Gedanken macht.

Welche Themen interessieren dich  gerade besonders?

Wie kann jeder durch die steigende Digitalisierung in der realen Welt die Umwelt verbessern? Außerdem finde ich die neuen Möglichkeiten der Virtual und Augmented Reality, Menschen Orte und Momente zu zeigen, die sie selbst nicht erleben können, beeindruckend.

Dein Traumprojekt?

Ich möchte früher oder später mit Freunden ein größeres Projekt, beispielsweise einen Film, starten und effizient im Team auf viele Aspekte eingehen, ohne allzu viele Ideen verwerfen zu müssen. Ich bin aber offen auch andere digitale Möglichkeiten, als die eines Filmes zu nutzen, um den Zuschauer stärker zu integrieren.

KURZ VORGESTELLT

Die Gewinner beim Fast Forward Science 2016

Das Team des Deutschen Kinderschmerzzentrums hat für Migräne? Hab ich im Griff! den ersten Platz in der Kategorie Substanz gewonnen. Stellvertretend für das ganze Team hat der Kinder- und Jugendarzt Boris Zernikow unseren Sieger-Fragebogen ausgefüllt. 

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Name: Boris, Bone, Ann-Kristin, Julia und das ganze Team des Deutschen Kinderschmerzzentrums

Wohnort: Datteln

Beruf: Kinder- und Jugendarzt, Künstler, Gesundheitswissenschaftlerin, Psychologin

FFS: Bei welchen YouTube-Kanälen schaust du besonders oft rein?

Ich wusste bis vor ein paar Wochen noch nicht mal, dass es YouTube Kanäle gibt. Am häufigsten nutze ich auf YouTube Mathe-Tutorials, um mit meiner Tochter ganzrationale Funktionen zu besprechen oder ich schaue mir die wahren Helden an, so Leute wie Sophie Hunger, Stoppok oder Tocotronic.  

Wer sind deine wissenschaftlichen Helden?

Puhh, schwierig. Ich denke, all die Leute, die für eine Sache brennen und die Welt besser machen wollen; im Gegensatz zu den Forschern, die das erforschen, was gerade angesagt ist, für das es Geld gibt, was sich gut publizieren lässt, aber die Menschheit nicht weiter bringt.

Was ist die größte Herausforderung bei der Produktion eines Wissenschaftsvideos?

Am schwierigsten ist es, die richtigen Bilder zu finden, die nicht übersimplifizieren und gleichzeitig Spaß machen. Zudem müssen wir in der Wissenschaftskommunikation für Kinder und Jugendliche den richtigen Ton treffen; nicht peinlich cool, aber eben auch nicht spießig – ganz schön kompliziert.  

Was heißt Wissenschaftskommunikation für dich? Ist es überhaupt ein Thema für dich?

Wissenschaftskommunikation heißt für mich insbesondere Patientenedukation oder Aufklärung von (noch) gesunden Menschen, damit sie nicht zum Patienten werden. Außerdem bedeutet Wissenschaftskommunikation Spaß und Austausch im multiprofessionellen Team und mit Künstlern. Wir lernen bei der Erstellung von Videos immer sehr viel. Der dritte Bereich der Wissenschaftskommunikation betrifft den Austausch mit Kollegen. Hier ist unser Ziel Freude am Lernen und die Motivation, morgen im klinischen Alltag die Arbeit ein kleines Stück evidenzbasierter und effektiver für die betroffenen Kinder zu gestalten.  

Welche Themen interessieren dich gerade besonders?

Unsere Themen ergeben sich aus den klinischen Fragestellungen. Wir setzen uns nicht hin und überlegen, was wäre mal spannend, sondern was brauchen die Patienten jetzt am dringendsten, wo ist der größte Aufklärungsbedarf? Chronische Bauchschmerzen, Rückenschmerzen, Schmerzen bei organischen Erkrankungen sind die nächsten geplanten Projekte.    

Dein Traumprojekt?

Ein Video-Kanal (jetzt wo ich weiß, was das ist), auf dem für alle Krankheiten im Kindes- und Jugendalter spannende Videos zu finden sind für betroffene Kinder und Jugendliche, ihre Eltern und professionelle Helfer.  

KURZ VORGESTELLT

Die Gewinner beim Fast Forward Science 2016

Finn hat mit seinem YouTube-Kanal BYTEthinks gleich drei Preise gewonnen. In der Kategorie Substanz landete er mit seinem Video Gravitationswellen erklärt auf dem 3. Platz, ebenso beim Community Award. Bei der SuperFast 48-h Challenge stand er mit Unser zweites Gehirn sogar ganz oben auf dem Siegertreppchen.  

finn

Name: Finn Dohrn

Wohnort: Hamburg

Beruf: Informatik-Student

FFS: Bei welchen Youtube-Kanälen schaust du besonders oft rein?

Natürlich bei anderen Wissens-Kanälen. Neben deutschen Kanälen wie 100SekundenPhysik, brainfaqk, RLScience oder DoktorWhatson schaue ich natürlich auch englische Kanäle wie Vsauce, ASAPscience oder PhysicsGirl. Unterhaltung darf aber auch nicht fehlen. Und da schaue ich regelmäßig bei lookslikeLink rein, der in seinen Videos Konsolen-Spiele spielt.

Wer sind deine wissenschaftlichen Helden?

Definitiv Alan Turing. Ein beeindruckender Mathematiker und Informatiker der mit seinen Theorien die Grundlagen unserer heutigen Computer gelegt hat.

Was ist die größte Herausforderung bei der Produktion eines Wissenschaftsvideos?

Viele Informationen auf kurze Zeit zu drücken und dabei noch verständlich und unterhaltend rüber zu kommen. Alles Dinge, die speziell im Webvideo-Bereich verlangt werden (zumindest von meinen Zuschauern).

Was heißt Wissenschaftskommunikation für dich? Ist es überhaupt ein Thema für dich?

Ich finde es wichtig, dass Wissenschaft richtig kommuniziert wird. Denn nur durch das Austauschen und Weitertragen von Wissen kann es sich verbreiten und vor allem ‚verbessern‘.

Welche Themen interessieren dich gerade besonders?

Als Informatiker antworte ich mit: Hacking und NoSQL-Datenbanken [NoSQL ist eine neue Form der nichtrelationalen Datenbank, die als besonders leistungsstark im Umgang mit großen Datenmengen gilt]. Beides potentielle Themenbereiche für meine kommende Bachelorarbeit. Als Wissens-YouTuber sage ich: alles! Unsere Welt ist zu faszinierend, um sich auf ein Thema zu begrenzen. Aber mein Fokus liegt aktuell stärker auf Physik. Von Multiversen-Theorien bis hin zur Stringtheorie. Spannend!

Dein Traumprojekt?

Ich würde gerne mehr Jugendliche für Bildung interessieren, denn meinen Videos wird immer wieder nachgesagt, sie seien sehr verständlich erklärt und unterhaltend (!). Und diese Begeisterung würde ich auch gerne im echten Leben, außerhalb der Videos verbreiten. Cool wäre auch eine Wissens-Quiz Show im Stile von „Wer weiß denn sowas?“ der ARD mit anderen Wissens-YouTubern und Zuschauern.

Aus der Werkstatt. So sieht es aus, wenn BYTEthinks seine Webvideos dreht (zum Anschauen der Slideshow einfach das erste Bild anklicken):

Skript und Storyboard
Quellen und Exzerpte
Finns Arbeitsplatz
Ausschnitt aus Finns Schnittprogramm
Home-Studio mit Greenscreen

KURZ VORGESTELLT

Die Gewinner beim Fast Forward Science 2016

Adam Majs Webvideo Virtual Insanity zeigt, wie sich durch smarte Technologien unsere Wahrnehmung und unser Zugang zu Wissen verändern. Er wurde dafür mit dem 1. Platz in der Kategorie Vision ausgezeichnet, denn da dreht sich alles um die Zukunft.

photoadam

Name: Adam Maj

Wohnort: Berlin

Beruf: Architekturstudent

FFS: Bei welchen Youtube-Kanälen schaust du besonders oft rein?

Adam: Nowness

Wer sind deine wissenschaftlichen Helden?

Nikola Tesla

Was ist die größte Herausforderung bei der Produktion eines Wissenschaftsvideos?

Die größte Herausforderung bei meinem Filmprojekt war für mich meine Vision in eine interessante Geschichte zu verpacken, die für den Zuschauer trotz der kurzen Spielzeit von drei Minuten noch verständlich bleibt.

Was heißt Wissenschaftskommunikation für dich? Ist es überhaupt ein Thema für dich?

Bis jetzt war es noch kein Thema für mich.

Welche Themen interessieren dich  gerade besonders?

Zurzeit arbeite ich an meiner Bachelor-Thesis in der es um Wohnungsbau im Bestand geht.

Dein Traumprojekt?

Spielfilm