Teil 3: Unterhalten, Erklären, Visualisieren – so entstehen gute Wissenschafts-Webvideos #gutgemacht

Durch Missverständnisse erfolgreich
In Wien schließlich, habe ich das „European Science Film Festival!“ besucht. Das Festival fokussiert vornehmlich auf längere Wissenschaftsdokumentationen, die meist 40 Minuten oder länger sind. Dennoch gab es auch hier eine rege Diskussion über Wissenschaftsvideos im Web, insbesondere mit Derek Muller vom YouTube-Kanal Veritasium.

Veritasium zählt mit über drei Millionen Abonnenten zu den größeren der englischsprachigen Wissenschaftskanäle auf YouTube. Derek Mullers Ziel ist nicht nur, unterhaltsame Videos zu produzieren, sondern auch einen hohen Lerneffekt bei den Zuschauern zu erzielen. In seiner Promotion forschte er zum erfolgreichen Einsatz von Videos in der Lehre von Physik. Die grundlegenden Erkenntnisse, fasst er u.a. in diesem Video zusammen. Zwei Faktoren sind demnach von großer Bedeutung, um den Lernerfolg durch Videos zu steigern, auf beide möchte ich kurz eingehen:

Wichtig ist zunächst, mit Missverständnissen aufzuräumen. Das Prinzip der „misconceptions“, bei welchem zunächst eine wissenschaftlich falsche Erklärung geliefert wird, kann zwar etwas verwirrend sein, es trägt jedoch dazu bei, dass der Zuschauer aufmerksamer ist. Beispielhafte Videos von Veritasium, die diesem Prinzip folgen, finden sich hier:


Beginnt ein Video direkt mit der korrekten Erklärung eines wissenschaftlichen Zusammenhangs, neigt der Zuschauer dazu, abzuschalten, da er denkt, den Inhalt bereits zu kennen und gut verstanden zu haben. An dieser Stelle zitiert Derek, Richard Feynman, Physiker und Nobelpreisträger: „The first principle is that you must not fool yourself and you are the easiest person to fool.“.

Dies führt uns zum zweiten Faktor, dem Grad der geistigen Anstrengung. „Mental effort“ bezeichnet den Zustand, bei dem der Zuschauer vom passiven Konsumieren eines Videos hin zu aktivem Mitdenken bewegt wird. Auch dieses Prinzip nutzt Derek Muller ausgiebig auf seinem Kanal Veritasium. Eine Auswahl an Videos dazu befindet sich u.a. in der „Test Yourself!“-Playlist:


In diesen Videos wird der Zuschauer immer wieder aufgefordert, eigene Vorhersagen zu treffen.

Und was braucht ein Video nun, um auch viele Zuschauer zu erreichen? Derek Muller sagt, wenn man in dem Video eine Thematik aufgreife, die relevant für den Alltag und trotzdem ungewöhnlich sei, dann stehen die Chancen gut, dass sich das Video auch viral im Netz verbreite.

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